Wandbild „Unser Leben“ am HdL

Das zwölfgeschossige, 54 Meter hohe „Haus des Lehrers” (HdL) wurde in den Jahren 1962-64 als erstes Hochhaus am Alexanderplatz vom Architekten Prof. Hermann Henselmann gebaut und am 9. September 1964 feierlich dem Berliner Oberbürgermeister Friedrich Ebert übergeben. Vor dem Krieg stand hier das 1908 errichtete Berliner Lehrervereinshauses. Markantes Erkennungszeichen des Haus des Lehrers ist die im Bereich der 3. und 4. Etage umlaufende „Bauchbinde“ – ein 7 Meter hoher Fries von Walter Womacka. (In den beiden fensterlosen Stockwerken hinter dem Fries sollten die Bestände der Pädagogischen Zentralbibliothek untergebracht werden.)
„Unser Leben“heißt der aus rund 800.000 Einzelsteinen zusammengesetzte, 7 Meter hohe und 125 Meter lange monumentale Mosaikfries.

Vor dem Hintergrund seiner eigenen Kriegserlebnisse und in festem Glauben an den Aufbauprozess in der DDR schuf Womacka das Idealbild eines friedvollen, modernen sozialistischen Staates. Ein Panorama einer jungen, schaffensfreudigen und in Harmonie lebenden Gesellschaft, die zuversichtlich in die Zukunft blickt.

Die Nordseite des Frieses ist dem Bereich Forschung und Technik gewidmet.
Arzt und Chemiker, Parabolspiegel und Antennenmast, eine aufsteigenden Rakete und der Ingenieur stehen für den unbeirrbarer Zukunftsglaube an die Welt der Technik.

Die Südwand zeigt Kunst und Arbeit – drei Werktätige, unter ihnen eine junge Arbeiterin und einen kräftigen Stahlkocher, im Gespräch mit einem Maler. Es steht für die in der Verfassung der DDR verankerte „enge Verbindung der Kulturschaffenden mit dem Leben des Volkes“
Das harmonische Nebeneinander unterschiedlicher Berufsgruppen findet sich auch an anderen Stellen des Frieses wieder. Es kündet von der Verheißung einer klassenlosen Gesellschaft.

Themen des Ostfrieses sind die Völkerfreundschaft und der Frieden.

Und der Westfries zeigt Szenen des alltäglichen Lebens in der DDR:  die Mutter mit zwei Kindern vor einem Früchte tragenden Lebensbaum, eine naturwissenschaftliche Unterrichtsstunde, eine Brigadebesprechung und Bauern bei der Ernte im Licht der aufgehenden Sonne … der Traum von einer zufriedenen, alle Klassenunterschiede überwindenden sozialistischen Gesellschaft…

Das aus Glas-Emaille, Keramik und Blei gefertigtes Mosaikband steht heute zusammen mit Henselmanns Gebäudekomplex unter Denkmalschutz. Der Fries gilt in der Entwicklung der baugebundenen Kunst der DDR als richtungsweisend. Von 2001 bis 2004 wurde er im Auftrag der Berliner Congress Center GmbH undder WBM Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte mbH aufwendig restauriert.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.