Das Dorf in der Stadt

Ich hab ja schon geschrieben, dass ich letzte Woche mal wieder ein bisschen durch die Stadt gewandert bin. Schon von der S-Bahn aus habe ich in der Nähe des Ostbahnhofes ein interessantes Haus bemerkt. Die ganze Fassade im Comic-style… musste ich mir näher ansehen.
Was ich dann gefunden habe war echt eine Überraschung. 

Es ist schon zehn Jahre her, als die Berliner beim Bürgerentscheid zur Mediaspree für einen  frei zugänglicher 50 Meter breiter Uferweg und eine Bebauung von höchstens 22 Meter hohen Häusern stimmten. Getan hat sich seitdem einiges. Dem Willen der Bürger entspricht das meiste nicht.

Da wurde zum Beispiel die Mauer an der East Side Gallery durchbrochen, um ein 63-Meter-Luxus-Hochhaus direkt ans Ufer zu bauen. Gleich daneben entstand ein neunstöckiger Hotelkomplex. Zwei Stockwerke höher als ursprünglich erlaubt.. Und wenn heute vom Projekt „Waterfront Living“ gesprochen wird, bleibt gerade mal ein vier Meter breiter Uferweg….

Wer hätte also noch geglaubt, dass es auch anders geht. Auf dem Gelände an der  der Holzmarktstraße zwischen Michaelbrücke und Schillingbrücke ist ein kleines Hippie-Wunderland entstanden – dank der Tatkraft engagierter Berliner und einer genossenschaftlich organisierten Investorengemeinschaft, der auch der „Mörchenpark“ angehört.
Der Verein belebt geschichtsträchtiges Areal: Im 17. Jahrhundert belieferten Schiffe den damals „königlichen Holzmarkt“ mit Baumaterial, im 19. Jahrhundert stand hier ein Gaswerk und zuletzt ließ der Club „Bar 25“ die heiß begehrte Brache als Party-Arena wieder auferstehen. Dann kam der Streit. Und jetzt – der Neuanfang. Das Holzmarktdorf;
Es gibt den sogenannten Marktplatz, drum herum reihen sich einzelne Häuser mit verschiedenen Geschäften, einer Musikschule, Proberäumen und einer Kita. Und der wohl größte Pluspunkt: Der Uferweg an der Spree ist wirklich offen..

Es war zu kalt und zu früh an diesem Dienstag als dass viel los gewesen wäre und ich gehöre (sehr wahrscheinlich) auch nicht zur Zielgruppe. Aber mir gefällt, was hier entstanden ist….

Ein bisschen Jahrmarkt mit Tanz und Café, Bäckerei, und Biergarten, Galerie und Veranstaltungssaal, Ateliers für Künstler und Studios für Musiker …Ein Quartier für Kreative, offen für Besucher.
Und wenn es wärmer geworden ist werde ich sicher wiederkommen und ein Bier am Spreeufer genießen..

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